PICTS «101»

Hallo, ich bin Stefan Zerwas, UX & Interaction Designer und seit 01.11.2018 mit einem 50% Mandat als «PICTS»ler an der Eduzis Sekundarschulgemeinde tätig. Das «doppelte» Akronym «PICTS» steht für «Pädagogischer ICT Support» wobei «ICT» seinerseits für «Information and Communications Technology» steht. Diese doch sehr kryptische Berufsbezeichnung gefällt mir aus 3 Gründen:

  • Weil die Pädagogik vorne an steht,
  • weil ICT-Kompetenz eine Schlüsselkompetenz zur Bewältigung des viel beschworenen «Digitalen Wandels» darstellt
  • und weil «picts» im Englischen «Bilder» sind und der Iconic Turn in vollem Gange ist.

Die folgenden Abschnitte beschreiben 3 Argumente, die ich während des ersten «gemeinsamen Fensters» (Treffen der Lehrerinnen und Lehrer beider Schulhäuser: Eichi & Seehalde), zu meiner neuen Aufgabe vorgetragen habe:

digital is here to stay

Wir befinden uns im Übergang bzw. Paradigmenwechsel (je nach Experte):

  • vom Industriezeitalter (20 Jhdt.) in’s Digitale Zeitalter (21 Jhdt.)
  • von der «Gutenberg Galaxis» (15. – 20. Jhdt) in die «Turing Galaxis» (21. Jhdt) siehe: Axel Krommer – Digitale Bildung vs. Palliative Technik (Video 32:57 min)
  • von der «Mündlichen» zur «Schriftlichen» zur «Gedruckten» (Gutenberg-) und schliesslich zur «Vernetzten» (Digitalen-) Gesellschaft.
Arthur C. Clarke interview (1:33 min)

Im visionären Interview von 1974 nimmt Science Fiction Autor Arthur C. Clarke die Siegeszüge des Personal Computers und des Internets vorweg. Im Jahr 2001 (25 Jahre nach dem Interview), ist genau das eingetreten, was er damals für diese Zeit voraussagte: PCs sind überall und das World Wide Web ist ein Massenphänomen…

Petersplatz Rom, 2005 - ein einsames Mobil Telefon, mit dem fotografiert wird in der Menschenmenge.
 AP Photo/Luca Bruno

Die Aufnahme oben zeigt Rom, Nähe Petersplatz, im Jahre 2005 – am rechten unteren Bildrand ist ein einsames Mobiltelefon zu erkennen.

Petersplatz 2013 - Smartphones & Tablets sind omnipräsent.
AP Photo/Michael Sohn
Quelle: Spiegel Online – Digitale Erleuchtung

Der gleiche Schauplatz 2013, 8 Jahre später und 6 Jahre nach dem Launch des iPhone im Jahr 2007. Moores Law in Vollendung: Jedes einzelne dieser handlichen und omnipräsenten Smartphones bzw. Tablets hat mehr Rechenleistung als der raumfüllende Grossrechner aus dem Arthur C. Clarke Interview knapp 30 Jahre zuvor.

Mit dem digitalen Zeitalter der Vernetzung, etabliert sich ein neues Lernverständnis, dass sich auch im Lehrplan 21 manifestiert:

,a whole in the wall project'
Sugata Mitra zeigt, auf der Lift Conference in Genf 2007, wie Kinder sich selbst unterrichten. (20:59 min)

Ein Loch in der Wand als Tor zur Welt – Sugata Mitra’s «Hole in the Wall» Projekt:

999 startete Prof. Sugata Mitra eine Untersuchung um das Lernverhalten von Kindern in einer Umgebung ohne Lehrer bzw. irgendwelche Anleitung zu überprüfen. In dem Experiment wurden in einem Slum in Neu Delhi Computer mit Internetzugang in Maueröffnungen installiert. Die Monitore waren mit Touchscreen-Bedienung und englischsprachigem Browser mit Internetanschluss ausgestattet.

Nach nur 8 Stunden war sowohl die Sprach- als auch die Funktionalitätsbarriere überwunden und die Kinder fingen an im Internet zu surfen. „Das Experiment zeigte, dass Kinder allein durch Wissbegierde und Neugier zum Lernen motiviert werden und in der Lage sind, sich selbstständig und in gegenseitigem Austausch Dinge beizubringen – ohne Eingreifen durch einen Lehrer. Auch veränderte sich das soziale Verhalten der Kinder – Wissen wurde zum Wert.

http://de.wikipedia.org/wiki/Hole in_the Wall

Ein grossartiges Beispiel für «Selbst Organisiertes Lernen» (SOL). Jugendliche in den westlichen Industrieländern sind so viel mehr abgelenkt, so viel weniger hungrig (im wörtlichen wie im übertragenen Sinne), so materiell gesättigt, dass es sehr viel komplexer ist, sie zu motivieren und zu begeistern. Aber genau das stellt eine zentrale Herausforderung von Bildung im 21. Jahrhundert dar.

digital + analog = dialog

Die Aufgabe von Schule ist, Lernenden Möglichkeiten zu eröffnen, sich zukunftsfähige Kompetenzen anzueignen. Den Beitrag des Pädagogischen ICT Supports, dieses Ziel zu erreichen, sehe ich darin, im Dialog mit den Lehrenden, der Schulleitung und der Schulpflege:

  • gemeinsam einen eleganten Workflow zu etablieren, der die Lehrenden in der administrativen Arbeit entlastet und damit Räume für die eigentliche Aufgabe: das Lehren eröffnet
  • relevante, zeitgemässe und pädagogisch sinnvolle Lehr- und Lernmittel zu finden, zu testen und einzuführen
  • die Lehrenden bei der Anwendung dieser Werkzeuge zu unterstützen
Pestalozzi: Kopf, Herz und Hand Icon

Dabei behält Pestalozzi, mit seinem viel zitierten Slogan: «Kopf, Herz und Hand», gerade in Zeiten der Digitalisierung, mehr denn je Relevanz als übergeordnetes Leitbild.

  • Das Wort «handeln» kommt von «Hand»
  • Die Worte «erfassen» und «begreifen» sprechen für sich
Quelle: Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD): «Global competency for an inclusive World»

Der Lehrplan 21 lässt sich mit obiger Darstellung gut interpretieren: Eine Verflechtung der Stränge «Kopf, Herz & Hand» hin zu Kompetenzen die die Lernenden handlungsfähig (AKTION) machen – Stichwort EMPOWERING:

Zoom 1

Kompetenzen als eine Verflechtung von:

  • Kopf: Fach-, interdisziplinärem- & praktischem Wissen
  • Herz: personenbezogenen-, emotionalen- & aufgabenorientierten Haltungen & Werten
  • und Hand: kognitiven- & metakognitiven-, sozialen- & emotionalen-, sowie körperlichen Fertigkeiten
Zoom 2

Ziel ist dabei, dass Lernende einen reflektierenden Ansatz in Bezug auf Lernprozesse entwickeln – sprich: Die Fähigkeit, über die Art und Weise nachzudenken, wie man am besten lernt, um erfolgreich in der Welt zu handeln.
Viele Anregungen zu diesem Eintrag, hat mir der sehr gute Artikel von Lisa Rosa – Lernen im digitalen Zeitalter gegeben.

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